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Seit wann gibt es Städte und warum?

Die ältesten Städte der Welt entwickelten sich vor etwa 10.000 Jahren in den Gebieten der heutigen Staaten Irak, Iran, Syrien und Israel. Die ältesten deutschen Städte stecken, im Vergleich dazu, noch in den Kinderschuhen. Sie sind gerade mal 2.000 Jahre jung. Warum die ersten Städte entstanden, kann niemand mit Sicherheit sagen. Wissenschaftler haben immerhin einige Ideen parat, die schlüssig klingen.

Worauf kann keine Stadt der Welt verzichten? Jawohl: auf viele Menschen! Eine Grundvoraussetzung für die Stadtentstehung war daher das Wachstum der Bevölkerung. Nach der Erfindung von Ackerbau und Viehzucht konnte ein Stück Land in der Jungsteinzeit viel mehr Menschen ernähren als zuvor in der Altsteinzeit. Die Bevölkerung vermehrte sich rasch.

In der Jungsteinzeit lebten deutlich mehr Menschen auf der Erde als bisher. Prima! Dennoch konnte eine Sippe weiterhin tagelang durch die Wildnis streifen, ohne weiteren Artgenossen zu begegnen. Eine größere Gruppe Menschen brauchte daher triftige Gründe, um gemeinsam auf einem Fleckchen Erde sesshaft zu werden. Wasserknappheit könnte eine wichtige Rolle gespielt haben, denn ohne Wasser kommt kein Mensch lange aus. Daher ist es nur folgerichtig, dass alle Durstigen ihre Behausungen dort errichteten, wo das kostbare Nass vorhanden war: an den Ufern der Seen und Flüsse.

Doch Durst, als kleinster gemeinsamer Nenner, reicht allein nicht aus, um eine Stadtentstehung zu erklären. Es muss noch andere Gründe gegeben haben, die eine Sippe dazu brachten, gemeinsam mit anderen Sippen in einer Siedlung zusammenleben zu wollen – zum Beispiel ein Heiligtum, dessen Nähe die Menschen suchten; der militärische Schutz eines Herrschers, unter den sich die Bevölkerung begab; ein Markt, auf dem sich einträglich Handel treiben ließ. Einen Markt konnte es wiederum nur dort geben, wo die Menschen mehr produzierten, als sie selbst verbrauchen konnten. Anfangs waren das vor allem Überschüsse an Nahrungsmitteln, die auf dem Land produziert und auf den Märkten der Siedlungen gegen andere Handelswaren eingetauscht wurden.

Durch die Nahrungsüberschüsse der Landbevölkerung mussten sich die Einwohner der Siedlungen nicht mehr selbst von morgens bis abends um ihre Ernährung kümmern. Sie fanden nun Muße für andere Dinge. Jeder machte das, was er am besten konnte. Mit der Spezialisierung der Tätigkeiten wurden nebenbei die ersten Berufe erfunden. Manche Berufsgruppen erlangten Reichtum und Macht. Sie wurden zu Herrschern. Andere Berufsgruppen blieben arm und gerieten in Abhängigkeit der Mächtigen. Sie wurden beherrscht.

Seitdem kennzeichnet die größeren Siedlungen alles, was bis heute zu einer Stadt gehört: eine größere Gruppe Menschen, die gemeinsam an einem Ort lebt; eine ausreichende Versorgung mit Wasser und Nahrung; eine klare Abgrenzung zwischen Landbewohnern und Stadtbewohnern; feste Behausungen, in denen es sich passabel leben lässt; verschiedene gesellschaftliche Gruppen mit unterschiedlichen Aufgaben.

Uralte Gebäudereste im israelischen Jericho
Die vielleicht älteste Stadt der Welt: Jericho im heutigen Israel

 

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