zurück

Warum wurden Städte im Mittelalter Zentren des Handwerks?

Städte zogen im Hochmittelalter zahlreiche Handwerker an, denn dort wurden ihre Fähigkeiten allerorts gebraucht. Ohne Handwerker konnten keine Häuser gebaut, keine gotischen Kathedralen errichtet, kein Brot gebacken, kein Bier gebraut und keine Waffen geschmiedet werden.

Mittelalterliche Werkstätten befanden sich gewöhnlich in der Nähe von Flüssen und Bächen, weil man für die meisten handwerklichen Tätigkeiten Wasser benötigte. Das traf sich prächtig mit den städtischen Gegebenheiten. Schließlich befanden sich auch die meisten großen Städte an fließenden Gewässern. Ohne Wasser standen die Mühlen still, die Färber konnten keine Stoffe färben, die Gerber waren außerstande, rohe Tierhäute in feines Leder zu verwandeln, und die Fischer konnten gleich ganz einpacken.

Handwerker konnten es in den mittelalterlichen Städten zu Wohlstand bringen, wenn sie einer angesehenen Zunft angehörten. Daneben gab es Handwerkerzünfte, mit denen sonst niemand etwas zu tun haben wollte. Diese Zünfte galten als unehrlich. Demnach war der Abdecker ein unehrlicher Beruf. Zu den Aufgaben eines Abdeckers gehörten die Verwertung und Beseitigung toter Tierkörper. Tierkadaver liefern Knochen für Seifensiedereien, Häute für Gerbereien und fauliges Fleisch für Salpetersieder. Da die Abdeckerei ein unappetitliches Geschäft war, galten auch die Abdecker selbst als ehrenrührig. Obwohl ihre Dienste sehr gefragt waren, mussten sie oft außerhalb der Stadtmauern leben.

In den mittelalterlichen Städten blieben die verschiedenen Handwerke meist unter sich. Es gab sogar Straßen und komplette Viertel, die einem einzelnen Handwerk vorbehalten waren. Noch heute erinnern in den Städten viele Straßennamen an mittelalterliche Handwerke. Haltet mal die Augen auf. Sicherlich gibt es auch in eurer Nähe eine Bäckergasse, eine Schneidergasse oder eine Schmiedgasse. Erst im Zeitalter des Barock rückten die verschiedenen Handwerke näher zusammen, als die ersten Manufakturen gegründet wurden.

Wasser treibt das Rad einer Mühle an
Ohne Wasser nutzlos: ein Mühlrad
Gibt es in vielen deutschen Städten: eine Weberstraße
Gibt es in vielen deutschen Städten: eine Weberstraße

banner_stadtgeschichtchen_artikelseite_groß