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Was ist eine Stadtbelagerung?

Städte sind Zentren der Macht und des Reichtums. Deshalb lockten sie von jeher Feinde an, die diese Macht und diesen Reichtum gerne für sich haben wollten. Zum Schutz umgaben sich Städte mit hohen Mauern, die schwer zu überwinden waren. Das funktionierte zunächst gut. Allerdings ließen sich auch die Feinde etwas einfallen: die Stadtbelagerung. Bei einer Belagerung wurden die Stadtbewohner vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Danach warteten die Belagerer ab, bis den Eingeschlossenen das Leben derart zur Qual wurde, dass sie sich letztendlich ergaben.

Im Mittelalter wurden Städte belagert, wenn Stadtherren im Streit miteinander lagen, wenn Könige ihr Herrschaftsgebiet vergrößern wollten, oder wenn der Kaiser eine zu einflussreich gewordene Stadt unter Kontrolle zu bringen gedachte. Eine Stadtbelagerung konnte Monate dauern; manchmal Jahre. Diese Zeit war für beide Seiten kostspielig und kräftezehrend. Deshalb versuchten die Angreifer zunächst durch List und Tücke, eine Stadt unter Kontrolle zu bringen. Sie bedrohten die Einwohnerschaft solcherart, dass sie sich ergab. Oder sie bestachen einen Wächter, die Stadttore von innen zu öffnen. Erst wenn alle anderen Mittel fehlschlugen, fing die Belagerung an.

In eine belagerte Stadt gelangte nichts und niemand von außen hinein; auch keine Nahrungsmittel. Früher oder später wurde das Essen knapp. Es herrschte Hunger; Krankheiten brachen aus. Wenn die Belagerten nicht rasch genug erkrankten, halfen die Belagerer von außen nach. Sie schleuderten Exkremente, Tierkadaver und sogar menschliche Leichen über die Stadtmauern. Diese Geschosse trugen ansteckende Krankheitserreger in sich, mit denen sich die Stadtbewohner infizierten.

In der frühen Neuzeit wurden bei Stadtbelagerungen massive Kanonen eingesetzt. Diesen Schusswaffen hielten die mittelalterlichen Stadtmauern nicht lange stand. Wenn die Belagerung erfolgreich war, dann öffnete die Stadt ihre Tore und ergab sich. Doch konnte eine Belagerung aus verschiedenen Gründen auch scheitern: Gelegentlich wagten die Eingeschlossenen einen Ausfall, einen Gegenangriff, und schlugen ihre Feinde in die Flucht. Mal erhielten die Belagerten rechtzeitig Hilfe durch ein Entsatzheer und wurden gerettet. Es konnte auch passieren, dass sich die Belagerer freiwillig aus dem Staub machten, wenn die Belagerung zu teuer wurde oder zu viele Menschenleben forderte.

Die Belagerer bringen sich vor der Stadt in Possition
Die Belagerer bringen sich vor der Stadt in Position

 

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