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Was bedeutet Historismus?

Im späten 19. Jahrhundert war die industrielle Revolution in vollem Gange. Die Städte waren so groß geworden, dass sich die Einwohner zwischen den zahllosen Häusern ganz verloren vorkamen. In den Industriestädten sehnten viele Menschen eine Zeit zurück, in der die Ortschaften noch klein und übersichtlich gewesen waren. Deshalb waren Gebäude beliebt, die aussahen, als wären sie bereits etliche hundert Jahre alt. Rathäuser erinnerten an gotische Kathedralen. Bahnhöfe sahen aus wie Barockschlösser im Miniaturformat. Es gab neuromanische Kirchen, neugotische Fabriken und neubarocke Wohnhäuser. Ein preußischer Adeliger ließ sich sogar in einer Pyramide bestatten. Der Phantasie der Bauherren und Architekten waren keine Grenzen gesetzt.

Der Baustil nach historischen Vorbildern erhielt dementsprechend seinen Namen: Historismus. Viele historistische Bauwerke erinnerten allerdings nur von außen an die ‚gute alte Zeit‘. Innen befanden sie sich auf dem neuesten Stand der Technik. Es gab elektrisches Licht, Toiletten mit Wasserspülung und sogar Telefonapparate. Auch die verwendeten Baumaterialien waren modern. Bei gewagten Dachkonstruktionen kam Eisen zum Einsatz. Eisen war stabiler als Holz und konnte auch nicht in Brand geraten. So etwas hatte es nie zuvor gegeben.

Die vergangenen 2.000 Jahren werden in eine ganze Reihe sich überlappender kunstgeschichtlicher Epochen eingeteilt, die sich in unterschiedlichen Baustilen zeigen. In chronologischer Reihenfolge: die Antike, die Romanik, die Gotik, die Renaissance, das Barock, der Klassizismus, der Historismus und die Moderne.

Sieht fast so aus wie eine gotische Kathedrale: das historistische Rathaus von Wien
Sieht fast so aus wie eine gotische Kathedrale: das historistische Rathaus von Wien

 

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