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Was sind mittelalterliche Handelswege?

Im Mittelalter herrschte reger Handel zwischen weit voneinander entfernt liegenden Orten. Die großen Städte Europas wurden allesamt durch ein Handelswegenetz miteinander verbunden.

Auf gepflasterten Wegen reisen konnten Händler nur auf erhalten gebliebenen Römerstraßen oder auf Wegeverbindungen, um deren Instandhaltung sich die Landesherren kümmerten. Die weit überwiegende Zahl mittelalterlicher Handelsstraßen bestand aus Naturwegen. Diese Wege waren unbefestigt und bescherten den Reisenden ein äußerst holperiges Fortkommen über Stock und Stein. Rad- und Achsbrüche waren an der Tagesordnung. Darüber freuten sich die Grundherren. Denn alle Dinge, die zu Boden fielen, gehörten laut Gesetz ihnen. Um eine Befestigung der Handelsstraßen scherten sich die Grundherren daher kaum. Heruntergefallene Wagenladungen stellten eine willkommene Einnahmequelle dar.

Komfortabler reiste es sich auf Reichsstraßen. Eine Reichsstraße gehörte dem König, der sie instand halten musste. Auf Reichsstraßen konnte der König Reisenden ein sicheres Geleit gewähren – ohne Überfälle und andere böse Überraschungen. Der König konnte ein totes Geleit in Form eines Geleitbriefs und ein lebendes Geleit in Form bewaffneter Beschützer geben. Im Gegenzug für seine Leistungen zahlten Reisende dem König einen Batzen Geld: den Zoll.

An den Handelswegen verdienten nicht nur der König und die Grundherren, sondern auch die Städte, durch die die Wege hindurchführten. An Brücken und Stadttoren kassierten Zöllner die Handelsreisenden kräftig ab. Städte profitierten zudem vom Stapelrecht. Waren, die durch eine Stadt mit Stapelrecht transportiert wurden, mussten dort eine gewisse Zeitlang zum Kauf angeboten werden. Das Stapelrecht kam vielen Händlern äußerst ungelegen, weil sie ihre Wagenladungen anderswo deutlich teurer hätten verkaufen können. Städter ließen sich eben bereits damals nur ungern ein Schnäppchen entgehen.

Es ist kein Zufall, dass beinahe sämtliche großen Handelszentren des Mittelalters am Wasser liegen. An der Küste stachen bis an den Bord beladene Segelschiffe in See. Im Landesinneren dienten große Flüsse als nasse Handelswege, auf denen Flöße und Kähne wertvolle Frachten transportierten. Ob nun zu Lande oder zur See – ab dem 13. Jahrhundert sorgte die Hanse dafür, dass der Fernhandel blühte.

Eine Seltenheit: gepflasterte Straßen im Mittelalter
Im Mittelalter eine Seltenheit: gepflasterte Straßen

 

 

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