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Was sind Stadtmauern?

Lange bevor die erste europäische Stadt gebaut wurde, schützten unsere Vorfahren ihre Hütten und Häuser mit Befestigungsringen. Bereits vor über 2.000 Jahren befestigten Kelten und Germanen ihre Siedlungen. Auch die Römer umgaben ihre Städte und Kastelle mit trutzigen Wehranlagen. Anfangs konnte von einer Stadtmauer noch keine Rede sein. Die ersten Befestigungen bestanden aus Erdwällen und Holzpalisaden, die erst im Laufe der Zeit durch Steinmauern ersetzt wurden. Zunächst stapelten die Verteidiger Steine aus der Umgebung lose aufeinander. Später wurden die Steine behauen (in Form gebracht) und mit Mörtel verbunden, damit sie stabil zusammenhielten.

Im Mittelalter gab es kaum eine Stadt ohne Stadtmauer. Eine Stadtmauer durfte nur mit Befestigungsrecht – also mit einer ausdrücklichen Erlaubnis des Königs – gebaut werden. Das Befestigungsrecht vergab der König im Hochmittelalter oft zusammen mit dem Stadtrecht. Ihr könnt bis heute recht leicht erkennen, ob eine Stadtmauer erst recht spät um eine bereits bestehende mittelalterliche Stadt herum gebaut wurde. In diesem Falle weist der Mauerverlauf, aus der Luft betrachtet, eine unregelmäßige Form auf. Wenn Stadt und Stadtmauer gleichzeitig entstanden, dann sieht der Mauergrundriss meist eher kreisrund oder rechteckig aus. Einige mittelalterliche Städte besitzen mehrere Mauerringe. Wenn nicht mehr alle Gebäude in den alten Ring hineinpassten, dann wurde ein weiterer Ring angelegt.

Richtig ins Zeug legen mussten sich die Mauerbauer in der frühen Neuzeit, als bei Stadtbelagerungen immer häufiger Kanonen zum Einsatz kamen. Solch schweren Geschützen konnten mittelalterliche Stadtmauern nicht lange standhalten. War die Stadtmauer überwunden, konnte die Stadt magdeburgisiert werden. Angesichts dieser existenziellen Bedrohung wurde der Bau wehrhafter Befestigungsanlagen überfällig – mit vorgelagerten Bastionen, von denen aus eigene Kanonen in sämtliche Richtungen schießen konnten, und mit schiefen Mauern, von denen feindliche Kanonenkugeln abprallten.

Seit dem 19. Jahrhundert verloren Stadtmauern ihre Bedeutung und wurden nach und nach geschleift. Mancherorts wurden die ehemaligen Mauerringe auch schlau für einen anderen Zweck genutzt, zum Beispiel in Wien. Dort entstand an Stelle der vorherigen Stadtmauer eine Ringstraße, die seit 1865 den innerstädtischen Verkehr entlastet.

Die mittelalterliche Stadtmauer von Weil der Stadt
Die mittelalterliche Stadtmauer von Weil der Stadt
Die frühneuzeitliche Stadtmauer von Palmanova
Eine frühneuzeitliche Bastion der Stadtmauer von Palmanova

 

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